Einblick in die Fintech Branche

„Fintech“ – kurz für Finanztechnologie – war eines der Buzzwords 2015. Gehypte Start-ups wie bonify, vaamo oder figo haben mit ihren Software-gestützten Angeboten nicht nur Kunden für sich gewonnen, sondern auch das Image der Finanzindustrie entstaubt. Grauer Anzug und endlose Zahlenkolonnen waren gestern.

Und so langsam kriegen die etablierten Banken Angst vor der Konkurrenz. Die Wadenbeißer sind groß geworden, laut Handelsblatt gibt es mittlerweile 13 Fintech-Unternehmen, die mit 2 Milliarden US-Dollar oder mehr bewertet werden. Ihre Geschäftsmodelle: Online-Kredite, teils unter Privatleuten, vermitteln Lufax, Lending Club und CommonBond. Dabei versprechen sie günstigere Konditionen als herkömmliche Banken. Square, Stripe, Powa, Klarna und One97 bieten Bezahltechnologien an, während Zenefits, Credit Karma und Oscar Nutzerdaten aus unterschiedlichen Quellen heranziehen, um etwa Kreditwürdigkeit und Versicherungsbeiträge zu optimieren. Auch wenn ihr Marktanteil bisher überschaubar ist, treiben sie die Branchenriesen vor sich her. Denn die Fintechs machen sich die entscheidenden Schwächen der großen Player zunutze: Banken und Versicherungen sind nicht gerade für Kundenfreundlichkeit und Trendbewusstsein bekannt. Viele Services scheinen seit der Zeit der Medici unverändert und Digitalisierung heißt in erster Linie, Schalterpersonal abzubauen. Ihre schiere Größe sowie zahlreiche Regulierungen machen es den Banken schwer, sich flexibel und kurzfristig auf neue Anforderungen einzustellen und entsprechende Angebote auf den Markt zu bringen.

Jobs im Fintech Bereich: Zu Gast bei Vaamo

Das Fintech-Startup vaamo will nicht weniger als die Finanzindustrie revolutionieren. Seit mittlerweile einem Jahr ist das Unternehmen mit seiner Web-App für Geldanlagen auf dem Markt. Olaf Kempin, Co-Geschäftsführer von univativ, hat mit vaamo Co-CEO Dr. Thomas Bloch, CTO Benjamin Reitzammer und Frontend-Developerin Verena Brodbeck über Geld, Teamarbeit und Kaffee gesprochen. Olaf: Was macht vaamo genau?Thomas: vaamo ist ein Fintech-Unternehmen. Wir bieten eine Plattform für die Geldanlage, die einfach und verständlich ist. Klassische Finanzprodukte wie Lebensversicherungen oder Tagesgeld werfen heute kaum Zinsen ab und sind nicht flexibel. Online-Broker-Angebote, mit denen man mehr Ertrag erwirtschaften kann, sind wiederum sehr kompliziert. Für die Masse der Verbraucher gab es keinen einfachen Weg, am Kapitalmarkt zu investieren. Mit vaamo haben wir eine Technologie entwickelt, die das ändert. Über unsere Web-Anwendung bieten wir unseren Kunden eine starke Hilfestellung beim Geldanlegen an. Jeder Nutzer kann damit seine Geldanlage und seine Sparpläne verwalten, ganz einfach und flexibel.

Die Hälfte der Mitarbeiter sind IT-Experten

Olaf: Ihr seid keine Bank, sondern ein Unternehmen für Finanztechnologie, kurz Fintech. Welchen Stellenwert hat die IT bei vaamo?Thomas: Einen sehr hohen! Finanzprodukte kann man bei vielen Anbietern bekommen, und auch gute Beratung ist nichts Neues. Wir aber haben eine Technologie, die unsere Kunden befähigt, selbst Geld anzulegen, ohne sich vorher komplexes Wissen über Finanzmärkte aneignen oder einen persönlichen Berater aufsuchen zu müssen. Das zeichnet uns aus. Entsprechend ist die Hälfte unserer 20 Mitarbeiter in der IT tätig. Olaf: Die Technologie ist also euer Dreh- und Angelpunkt. Wie unterscheidet sich dadurch eure Arbeit von der Vorgehensweise klassischer Finanzunternehmen?Benjamin: Die Technologie ist die Grundlage unseres Service. Damit dieser gut funktioniert, werden unsere IT-Leute früh in die Konzeption eingebunden. Sie arbeiten eng mit Kundenservice und Marketing zusammen, um die Wünsche unserer Nutzer umzusetzen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist Einfachheit, und die muss sich auch in der Web-Anwendung widerspiegeln. Deshalb betrachten wir die Technologie nicht als Selbstzweck, denn unsere Nutzer sind keine IT-Profis. Wir bauen keine Funktionen, nur weil wir es können, sondern gehen von Nutzen und Bedienbarkeit für die Anwender aus. Das bedeutet auch, dass wir nicht jeden Technologie-Trend mitmachen, auch wenn unser Software-Stack natürlich im Vergleich zu größeren Unternehmen eher modern ist. Verena: Wir achten sehr auf das Feedback unserer Nutzer, nicht nur aus dem Kundenservice, sondern auch aus qualitativen und quantitativen Nutzertests. So veranstalten wir zum Beispiel Usability-Testessen und Fokusgruppen und lassen die Ergebnisse in die Entwicklung mit einfließen. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass wir ein so neues Feld beackern, dass die Kunden selber nicht so genau wissen, was sie wollen. Aber das macht einen Teil der Spannung aus, und die Fähigkeit, sich in die Nutzer einzufühlen – ihre Bedürfnisse zu verstehen, gehört zu den Aufgaben unserer IT-Experten.

Geldanlage per Klick, Hotline und Live-Chat

Olaf: An wen richtet sich euer Angebot?Thomas: Wir wollen mit vaamo grundsätzlich alle erreichen, die Interesse an Geldanlagen haben. Unsere jüngsten Kunden sind Anfang 20, der älteste über 80. Dabei konzentrieren wir uns auf die Gruppe der 25- bis 45-jährigen, die wir beim Vermögensaufbau begleiten wollen. Olaf: Unterscheidet sich diese Altersgruppe von anderen?Thomas: Gerade in dieser Lebensphase suchen viele Leute nach Möglichkeiten zur Geldanlage, finden sich aber in den herkömmlichen Produkten nicht wieder. Sie haben keine Lust, stundenlang einzelne Finanzprodukte zu vergleichen, aber das Sparbuch mit Mini-Zinsen ist für sie auch keine Alternative. Stattdessen wollen sie eine gute Geldanlage mit der Möglichkeit, über ein paar Klicks ein paar tausend Euro anzulegen oder einen monatlichen Sparplan zu erstellen. Und sie wollen die Flexibilität, Sparpläne zu ändern, wenn die Umstände es erfordern. Auch beim Informationsbedürfnis sind die Jüngeren ganz anders drauf als Ältere. Nutzer ab 45 beschäftigen sich inhaltlich viel mehr mit ihrer Geldanlage und rufen auch öfter mal bei der Hotline an. Die Jüngeren machen das kaum, nutzen höchstens mal den Live-Chat. Interessanterweise hatten wir auch schon Anfragen von älteren Leuten, die von uns in der Zeitung gelesen hatten und unser Konzept gut fanden. Sie hielten unseren Firmensitz für eine Filiale, kamen spontan für ein Beratungsgespräch vorbei und hatten dann allerdings noch nicht einmal eine für ein Online-Angebot notwendige E-Mail-Adresse.   Vaamo empfängt uns in authentischer Startup-Manier in einer alten Fabrik-Etage. Im Großraumbüro sitzt ein Teil der zwanzig Mitarbeiter und tippt konzentriert auf ihren Keyboards. Einige der acht Entwickler des Fintech-Unternehmens besprechen im Konferenzraum ein neues Feature, ein paar andere spielen eine Runde Tischkicker. Wir nehmen am selbstgezimmerten Küchentisch Platz, während Benjamin einen handgefilterten äthiopischen Kaffee zubereitet. „Wichtig ist das Verhältnis Kaffee zu Wasser“, erklärt er. „Sechs Gramm Kaffee auf hundert Milliliter Wasser.“ Getrunken wird der Aufguss natürlich schwarz, so kommen die Aromen besser zur Geltung.

Fintech Jobs: Programmieren, Teamfähigkeit und Kreativität

Olaf: Welche Technologien kommen bei euch zum Einsatz?Verena: Das Backend unserer Web-Anwendung ist auf Basis der Programmiersprache Scala und dem Framework Play entwickelt. Im Frontend verwenden wir weitestgehend reines CSS und Javascript. Für unsere Website, die vor allem fürs Marketing genutzt wird, greifen wir auf Static Site Generators wie Jekyll und Cactus zurück, da hier die Anforderungen etwas einfacher sind. Unser gesamtes Stack besteht aus Open Source Technologien. Hier in Frankfurt betreiben wir in einem Rechenzentrum eigene virtualisierte Server, mit denen wir schnell und agil sind. Unter anderem erlaubt uns diese flexible Basis, dass wir mindestens einmal am Tag unseren Kunden, vollautomatisch auf Knopfdruck, eine neue Version unserer Anwendung zur Verfügung stellen. Olaf: Was muss man können, um als Entwickler in der Fintech-Branche zu arbeiten? Sucht vaamo aktuell Mitarbeiter?Benjamin: Die Grundvoraussetzung sind natürlich Programmierkenntnisse. Aber weil es bei vaamo immer darum geht, neue Lösungen zu finden und mit anderen zusammen zu arbeiten, erwarten wir von neuen Kollegen vor allem, dass sie teamfähig, offen und kreativ sind. Sie sollten Lust haben dazuzulernen und über den Tellerrand zu schauen. Wir pflegen eine sehr konstruktive Diskussionskultur, in der man sich nicht streitet, sondern miteinander redet. Entsprechend müssen alle in der Lage sein, anderen zuzuhören und Empathie aufzubringen. Tatsächlich kann ich mich nicht daran erinnern, dass hier schon mal jemand laut wurde, weil er meinte, sich nur so durchsetzen zu können. Darauf bin ich als Führungskraft sehr stolz. Thomas: Wir sind immer auf der Suche nach neuen Kollegen, besonders vielseitig einsetzbare Generalisten sind für uns interessant. Mitarbeiter erwarten bei uns flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, viele Möglichkeiten, an Fortbildungen und Konferenzen teilzunehmen. Und sie bekommen die Gelegenheit, mit neuen Technologien an einem ganz neuen Produkt mitzuwirken. Auch Studenten und Praktikanten suchen wir aktuell, sowohl für den Customer Service als auch für Operations und Marketing. Verena: Bevor ich als Entwicklerin angefangen habe, war ich zehn Jahre in der medizinischen Forschung tätig, genauer in der Neurowissenschaft. Dort hatte ich immer schon mit Programmierung zu tun, wir mussten die Analyseskripte für Datenanalysen selbst schreiben. Schon damals fand ich es faszinierend und habe die Kollegen bewundert, die richtig programmieren konnten, weil die so viel schneller waren. Auch fand ich den gestalterischen Aspekt toll, der mir in der Forschung etwas gefehlt hat. Also habe ich mir in Kursen und im Selbststudium Programmiergrundlagen beigebracht und in meiner Freizeit ein paar kleinere Projekte für Freunde gemacht, Websites und ähnliches. Schließlich habe ich mich damit selbständig gemacht. Parallel habe ich angefangen, Kurse für Anfänger zu geben. Mit Organisationen wie den Techettes und den Rails Girls, die ich mit anderen Frauen zusammen hier in Rhein-Main initiiert habe, will ich besonders Frauen für die IT begeistern. Benjamin hat mich schließlich zu vaamo geholt, und ich war ganz froh, wieder in einem Team zu arbeiten. Anfangs hatte ich zwar Bedenken, da ich keine Ahnung von Finanzen oder Fintech hatte, aber schnell habe ich gemerkt, dass ich hier tolle Entwicklungsmöglichkeiten habe, meine Fähigkeiten super einbringen kann, und außerdem ist das Team einfach toll. Bei vaamo merkt man nichts vom Klischee des IT-Nerds, die Sozialkompetenzen gehören genauso ins Team wie Programmierkenntnisse. Da bin ich echt in einer glücklichen Oase. Benjamin: Ich bin seit circa 15 Jahren in der IT unterwegs. Nach meinem Studium an einer Berufsakademie habe ich erst E-Commerce-Projekte bei 1&1 mitentwickelt und dann viele Jahre in Kreativagenturen gearbeitet, als Entwickler und später auch als Teamleiter. Schließlich habe auch ich mich für die Selbständigkeit entschieden, zum einen weil ich freier, aber auch wieder mehr technisch arbeiten wollte. Allerdings habe ich das nicht lange gemacht, denn als ich 2013 die vaamo-Gründer kennenlernte, haben sie mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte: Als CTO bekam ich die Gelegenheit und Freiheit sowohl ein Produkt als auch ein Unternehmen von Grund auf mitzugestalten, und in diesem Zuge auch ein Team aufzubauen. Für mich ist es nach wie vor „the best job in the world“. Olaf: Eine letzte Frage: Wofür stehen euer Name und das Logo?Thomas: vaamo ist ein umgangssprachlicher Begriff aus Südspanien und bedeutet „los geht’s“. Damit wollen wir unsere Kunden anfeuern, ihre finanziellen Ziele zu verfolgen. Und wir wollen uns selbst anfeuern, neuen Wind in die Finanzdienstleistungsbranche zu bringen. Denn wir gehen jetzt in die Phase des schnelleren Wachstums über, in fünf Jahren wollen wir mehr als hunderttausend Kunden haben. Im Vergleich zur traditionellen Bankenindustrie ist das natürlich nicht viel, aber wir wollen als Alternative sichtbar sein und in dem Bereich als führender Anbieter wahrgenommen werden. Dass wir anders sind, dafür steht auch unser Logo, das lila Eichhörnchen.

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