4 Gründe, warum Dich regelmäßige Überstunden krank machen können ➤

gestresster Mann vor einem PC Bildschirm

Noch vor einigen Jahren gehörte das "Abschrubben" von Überstunden zum Pflichtprogramm, wenn man beruflich vorankommen wollte und/oder eine Führungsposition anstrebte. Mittlerweile hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung der vermeintliche Kausalzusammenhang "Überstunden = überdurchschnittliche Leistung" weitestgehend aufgelöst. Tatsächlich ist erwiesenermaßen das Gegenteil der Fall – und führt nicht selten zu gesundheitlichen Problemen. Erfahre jetzt, welche gefährlichen Risiken regelmäßige Mehrarbeit wirklich mit sich bringen.

in Deutschland regelt üblicherweise das Arbeitsrecht, wie viele Stunden Du als Angestellter pro Tag arbeiten darfst, welche Ausnahmen es gibt und welche Formulierungen im Vertrag überhaupt zulässig sind. Dazu gibt es für die unterschiedlichen Branchen Tarifverträge, die zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter ausgehandelt wurden, Betriebsvereinbarungen – und auch außertarifliche (AT) Verträge, die abweichende Klauseln enthalten dürfen. Grundsätzlich solltest Du nicht mehr als 8 Stunden pro Tag arbeiten, in Ausnahmefällen und bei relativ zeitnahem Freizeitausgleich kann die Tagesarbeitszeit auf 10 Stunden ausgedehnt werden. Ob die anfallende Mehrarbeit dann mit echter Freizeit oder Geld ausgeglichen wird, wird vom Gesetzgeber nicht klar und eindeutig geregelt, hier kommt es auf den jeweiligen Arbeitsvertrag an.

 

Schöne Theorie – und tägliche Praxis

So sieht aber nur die Theorie aus, im harten Arbeitsalltag wirst Du üblicherweise mit angespannteren Rahmenbedingungen, speziellen Notsituationen oder anderen Herausforderungen konfrontiert, die ein Beharren auf den Buchstaben des Arbeitsrechts aus Deiner persönliche Perspektive – und vor allem auch aus Sicht Deiner direkten Vorgesetzten bzw. der Geschäftsführung – als destruktiv oder unkollegial erscheinen lässt. Zudem fallen auch immer wieder Kollegen aus – oder Ihr steht als Team vor der Situation, dass ohne Mehrarbeit die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel zu stehen scheint. Warum Du aber trotzdem nicht zum "Feuerwehrmann" mutieren solltest, der von einer Ausnahmesituation zur nächsten hetzt, von morgens früh bis abends spät im Büro bleibt, eine Überstunde nach der anderen "abreißt" und für weniger engagierte Kollegen "die Kastanien aus dem Feuer holt", möchten wir Dir durch mithilfe der nachfolgenden Punkte erläutern:

 

1. Deine Gutmütigkeit bewahrt Deinen Chef vor einer vernünftigen Planung

Unternehmer, Anteilseigner und Vorgesetzte haben ein natürliches Interesse daran, möglichst effizient und kostensparend die angestrebten Ziele umzusetzen – und Personalkosten gehören traditionell zu den größten Posten auf der Ausgabenseite. Dementsprechend wird oft versucht, eine steigende Arbeitslast so lange wie nur irgend möglich mit der bestehenden Belegschaft zu bewältigen. Neue Mitarbeiter kosten nicht nur mehr Geld, sondern müssen üblicherweise auch erst sorgfältig eingearbeitet werden, bevor sie aktiv zur Wertschätzung beitragen können. Insofern erscheint diese Verzögerungstaktik auf den ersten Blick einigermaßen nachvollziehbar. Dass darunter aber auf längere Sicht nicht nur die Qualität, sondern auch die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter leidet, ist den Entscheidern hingegen selten bewusst. Hier solltest Du keine falsche Rücksicht nehmen und Deine Position auch gegen Widerstände verteidigen. Andernfalls wirst Du über kurz oder lang krank werden – wenn die Firma nicht vorher eh' "den Bach hinuntergeht" …

 

2. Je länger Du am Stück arbeitest, desto weniger schaffst Du

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass mit ansteigender Arbeits- und Uhrzeit die Produktivität rapide sinkt – und die Fehlerquote erschreckend zunimmt. Wahrscheinlich warst Du auch schon mal in der Situation, dass Du mitten in der Nacht noch arbeiten musstest – aber tatsächlich nur im Schneckentempo vorankamst – oder überhaupt keine sinnvollen Ergebnisse produzieren konntest. Sei beruhigt: dies geht nicht nur Dir so, sondern stellt sogar den Regelfall dar. Insofern sollte Dir Dein Arbeitgeber sogar dankbar sein, wenn Du zum regulären Feierabend hin die noch offenen Aufgaben auf den nächsten Tag verschiebst – und dann besser und in einem Bruchteil der Zeit erledigst! Dazu bedarf es aber einer gewissen Konsequenz und einer überzeugenden Argumentation – bei der wir Dich hiermit unterstützen möchten.

 

3. Überstunden machen erwiesenermaßen krank

Nicht nur das "gefühlte" Unwohlsein, sondern konkrete und wissenschaftlich unterfütterte Studien weisen darauf hin, dass regelmäßige Mehrarbeit tatsächlich krank macht. Eine Langzeitstudie der Ohio State University lieferte stichhaltige und durch eine beeindruckende Probandenzahl von 12.000 Arbeitnehmern untermauerte Beweise, dass bei kontinuierlicher Überschreitung der "normalen" 40-Stunden-Woche das Risiko anstieg, an Krebs, Diabetes oder Arthritis zu erkranken – bei mehr als 60 Stunden Arbeit pro Woche über einen Zeitraum von 30 Jahren verdreifachte sich das Risiko sogar. Weitere Untersuchungen führten zum Ergebnis, dass die körperliche Erschöpfung irgendwann ein Level erreicht, das nicht mehr ohne Weiteres oder "von heut' auf morgen" wieder reduziert werden kann. Verschlechternd kommt dann oft auch noch eine chronische Schlaflosigkeit dazu, die aufgrund der fehlenden Regenerationsmöglichkeit nicht selten auch die Gefahr von Haus-, Verkehrs- oder Arbeitsumfällen erhöht. Entweder fällt man dann durch Krankheiten aus oder der daraus resultierende Dauerstress führt dann oftmals nur noch in den Burnout – und verursacht noch wesentlich längere Ausfallzeiten und sehr aufwendige Rehabilitationsmaßnahmen.

 

4. Wer immer nur arbeitet, hat keine Möglichkeit, sich inspirieren zu lassen

Gerade in kreativen Berufen wird die extrem überzogene Arbeitslast und die nicht selten skandalös niedrige Entlohnung mit dem "Ruhm" und der "Ehre" begründet, überhaupt für das jeweilige Unternehmen oder die gehypte Top-Agentur arbeiten zu "dürfen". Ausruhen könne man sich in späteren Jahren, wenn man seine Lorbeeren gesammelt und einen gut dotierten Managerjob auf Kundenseite gefunden habe. Dabei führen Überstunden – wie bereits erwähnt – nicht nur zu mittelmäßigen oder unterdurchschnittlichen Ergebnissen, die sich die entsprechenden Unternehmen schlichtweg nicht leisten können. Wer zudem den gesamten Tag nur in Gesellschaft seiner Kollegen oder im Branchenumfeld verbringt, wird mit der Zeit auch den Bezug zur Wirklichkeit und zur Zielgruppe verlieren. Man kennt dann einfach niemanden mehr, der nicht in der jeweiligen Nische tätig ist. Zudem kann man sich einfach nicht mehr vorstellen, was die Kunden "da draußen" wünschen, benötigen und erwarten. Die daraus resultierenden Filterblasen fühlen sich zwar von innen ziemlich glamourös an – von außen betrachtet unterscheiden sich die Insassen dieses Branchen-Kokons dann kaum noch voneinander und pflegen auch keine sozialen Beziehungen mehr zu "Außenseitern". Wer dann noch rechtzeitig den "Absprung" schafft, wundert sich üblicherweise sehr, wie facettenreich und bunt das "normale" Leben dann doch sein kann.

 

Fazit

Überstunden und Mehrarbeit zahlen sich nur auf ganz kurze Sicht – und in der Regel auch nur für deinen Arbeitgeber aus. Mittel- und langfristig beeinträchtigen die Qualitätseinbußen und die gesundheitlichen Folgen aber alle Beteiligten. Wenn Du Deinen Vorgesetzten nicht mit den bereits erwähnten Argumenten überzeugen konntest, beschäftige Dich doch einmal näher mit den Arbeitszeitmodellen, die in Schweden und Finnland schon seit einigen Jahren für höhere Zufriedenheit, bessere Ergebnisse und ein erfüllteres Sozialleben sorgen

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